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Digitalisierung jetzt!

Wie kommen Innovationen in den Mittelstand?

Impressionen und Positionen zum politischen Frühstück der Allianz der Verbände

20. September 2016 im Haus der Commerzbank

Die Bedeutung des Themas Digitalisierung dokumentiert allein die Anzahl der Veranstaltungen, die aktuell im politischen Berlin stattfinden. Die Allianz der Verbände beleuchtete mit ihrem politischen Frühstück am 20. September 2016 das Thema Digitalisierung aus einer Perspektive, die häufig vernachlässigt wird, nämlich mit einem klaren Fokus auf den Mittelstand.

Dass der Mittelstand besondere Beachtung verdient, unterstrich Joachim Köhler, Leiter des Startup & Digital Hub Berlin der Commerzbank. Die Berliner Startup-Szene entwickelt sich in atemberaubender Geschwindigkeit, doch die Förderung beschränke sich im Wesentlichen auf die DAX-30-Konzerne. Der breite Mittelstand fehlt, so Köhler. Der Mittelstand ist dabei aber einer Doppelbelastung ausgesetzt: Er muss eine Investition stemmen und zugleich auch ggf. dem Druck neuer, konkurrierender Geschäftsmodellen standhalten. Kooperation ist in diesem Umfeld ein zentraler Erfolgsfaktor.

Tankred Schipanski spricht auf dem politischen FrühstückTankred Schipanski, Obmann der CDU/CSU-Fraktion im Ausschuss Digitale Agenda, unterstrich die Bedeutung von greifbaren Praxisbeispielen, die Digitalisierung greifbar machen und zur Umsetzung inspirieren können. Die aktuell zehn Mittelstand 4.0-Kompetenzzentren sollen diese Aufgabe mit ihren unterschiedlichen Themenschwerpunkten leisten. Flankierend müssen auch die Rahmenbedingungen für Innovationen im Mittelstand verbessert werden. Dazu zählen eine konsequente Fachkräftesicherung, ein flächendeckender Ausbau des digitalen Hochgeschwindigkeitsnetzes sowie verbesserte Sicherheit und Schutz von IT-Systemen. Noch im Herbst 2016 soll mit dem Open-Data-Gesetzt Unternehmen der Datenschatz des Bundes geöffnet werden. Daten, der Rohstoff der Zukunft, soll zukünftig auch im Mittelstand innovative Geschäftsmodelle vorantreiben.

Oliver Frese, als Vorstand der Deutschen Messe AG verantwortlich für die CeBIT, unterstrich, dass Chancen und Risiken der neuen digitalen Ära noch schwer abzuschätzen sind. Die aktuell gut gefüllten Auftragsbücher mögen darüber hinwegtäuschen, was mittelfristig auf Unternehmen zukommt. Digitale Kompetenz ist entscheidend im internationalen Wettbewerb, dessen Kräfteverhältnisse sich gegenwärtig verschieben. Studien, die gerade einmal 30-35% der Unternehmen in Deutschland als „digital ready“ einstufen, mahnen zu dringender Besserung: „Digitalisierung ist nicht mehr nur ein Stück Software, dass ich einkaufe, um meine Prozesse zu verbessern. Digitalisierung ist die Frage wie und womit verdiene ich zukünftig mein Geld?“ Nichts wird offline bleiben, unterstrich Frese, denn der Trend zum Internet der Dinge wird in den nächsten Jahren die industrielle Produktion deutlich verändern. Auch die Beständigkeit von Geschäftsmodellen wird sich verringern. Wirtschaftlichen Erfolg definiert sich zukünftig über Reaktionsschnelle und Anpassungsfähigkeit. Mittelständischen Unternehmen attestiert Frese diese Fähigkeit im Grundsatz.

Das Thema Anpassungsfähigkeit griff auch Christian Fischer, kaufmännischer Leiter der TecArt GmbH auf. Innovation sei nicht nur etwas technologisches, sondern betrifft die gesamte Bandbreite von Organisations-, Produktions- und Vermarktungsprozessen. Erfolgreiche Organisationen denken diese Prozesse neu, verkürzen sie, bauen sie um und verknüpfen sie mit Menschen. „Es ist verrückt, die gleichen Dinge zu tun, die man schon immer getan hat, und dabei zu erwarten, dass man andere Ergebnisse erzielt als in der Vergangenheit“, so Fischer. Um Innovationen als einen Transformationsprozess für alle Unternehmensbereiche zu begreifen und voranzutreiben, bedarf es Investitionsbereitschaft in einen Prozess, dessen Ausgang nicht vollständig absehbar ist. Innovationen müssen einfach verständlich sein und mit ausreichenden Projektressourcen ausgestattet sein. Mit einem klar definierten Projektteam und einer gewissenhaften Umfeld- und Risikoanalyse ließen sich Innovationsprozesse planvoll vorantreiben.

In seinem Kommentar ging Bastian Kneissl, CEO der MapCase Media GmbH besonders auf den Aspekt der digitalen Kompetenz ein. Viele Unternehmen betrieben bereits Onlinekanäle, die wertvolle Daten generieren. Doch die bewusste Verknüpfung dieser Kanäle zur Analyse bzw. zur Voraussage von Kundenverhalten findet kaum statt. Grund hierfür ist in Kneißls Augen ein mangelndes Bewusstsein für das enorme Potenzial. Sogar kleine Unternehmen könnten aus ihren Kundendaten entscheidende Informationen ziehen. Für Kneissl ist der Mittelstand in dieser Hinsicht zu langsam und mahnt eine höhere Risikobereitschaft an.

DiPodiumsdiskussion im Haus der Commerzbanke Kritik Kneissls dass Unternehmen bzw. Entscheider nicht in der Lage seien, Innovationen zu verstehen und deren unternehmerische Chancen zu nutzen, wurde in der anschließenden Diskussion mehrfach aufgegriffen. Aufträge für Startups kämen so erst gar nicht zustande, so Kneissl weiter. Aus Startup-Perspektive wird im Plenum angemerkt, ist auch bei öffentlichen Auftraggebern ein Mangel an Mut zu beklagen. Eine Kooperation mit Startups würde oft aufgrund der unklaren Aussichten in der Geschäftsentwicklung oftmals nicht in Eingegangen. Eine weitere Sorge, die mehrfach aus dem Plenum geäußert wurde ist der enorm hohe Ausbildungs- und Beratungsbedarf. Deutschland hinke in der Fachkräfteausbildung massiv hinterher. Kontaktpunkte wie die Mittelstand 4.0-Kompetenzzentren, sind ein wichtiger erster Schritt, um Unternehmen an die Möglichkeiten der Digitalisierung heranzuführen. Oliver Frese bestätigt, dass dieser Bedarf an Kontaktpunkten kontinuierlich wächst. Auch die CeBIT müsse sich an diese neuen Bedürfnisse anpassen. Besucher erwarten konkrete und greifbare Beispiele und möchten die Messe mit konkreten Lösungsansätzen verlassen. Aus politischer Perspektive ergänzt Tankred Schipanski, dass Bürger und Unternehmen besser an das Thema herangeführt werden müssen. Gerade im Hinblick auf Datenschutz und Automatisierung müssen große Ängste abgebaut werden. Besonders im Bereich Big Data darf aber dennoch nicht zu stark reguliert werden, um keine Hindernisse für neue Geschäftsmodelle aufzubauen, so Schipanski weiter.

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